GEMA und freie Musik

Die Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte, kurz: GEMA, wurde als erste Verwertungsgesellschaft in Deutschland gegründet. Portale wie YouTube, aber auch der Branchenverband Bitkom stehen in dauerhaften Verhandlungen und Streitigkeiten mit der GEMA: Die Industrierechte auf der einen, Musikschaffende auf einer weiteren und die Verbraucher nebst Portalen auf einer dritten Seite.

Freie Musik oder über die GEMA verwertet? (Bild: flickr.com/Luz Adriana Villa A.)
Freie Musik oder über die GEMA verwertet? (Bild: flickr.com/Luz Adriana Villa A.)

Die GEMA, Deutschlands erste Verwertungsgesellschaft, die es bereits seit 1903 gibt, ist in regelmäßigen Abständen medial präsent – insbesondere im Zusammenhang mit dem Videoportal YouTube. Künstler, Plattenbosse, die Portalbetreiber selbst und Verbraucher sind auf die Verwertungsgesellschaft nur selten gut zu sprechen – und: Mit Musik, die entsprechend lizensiert wird, sind Möglichkeiten gefunden worden, die GEMA legal zu umgehen.

GEMA: Schutz des geistigen Eigentums verschrieben

Der Begriff „geistiges Eigentum“ sorgt für hitzige Debatten zwischen Verwertern, Verwertungsindustrie und Verbrauchern. Die GEMA mischt innerhalb dieser Diskussionen mit, denn sie sieht die Notwendigkeit, „das geistige Eigentum von Musikschaffenden geschützt und sie für die Nutzung ihrer Werke angemessen entlohnt“ zu wissen. Letzteres werden Künstler kaum bezweifeln wollen, sehen allerdings die Entlohnung eher als „angemessen“, wenn über die Musikindustrie gesprochen wird, nicht bei sich selbst.

Die GEMA sieht sich als Organ, das Urheberrecht, welches national und international gilt, zu kontrollieren. Auf ihrer Website drückt es die Verwertungsgesellschaft so aus: „Insofern ist die GEMA also auch eine Schutzorganisation für den schöpferischen Menschen.“

Zoff mit der GEMA

Um den Interessenkampf zu verstehen, den diverse Labels, Portale und Künstler mit der GEMA führen, ist es wichtig, als Hintergrund zu wissen, dass nicht jeder Künstler selbst komponiert und die Verwertungsrechte nicht immer bei den Labels liegen. Die GEMA selbst führt Gebühren an die Musikverlage, Autoren und Komponisten aus, die ihrerseits an die Urheber weiterleiten.

Die Verwertungsgesellschaft nimmt für jede hergestellte CD, jeden Song, der digital vertrieben wird, Live-Auftritte, Titelnutzungen in Werbespots, Streamingservices und Webradio Gebühren, so sie Vertreter des jeweiligen Urhebers ist. Jede Plattenfirma muss deshalb Gebühren an die GEMA abführen, wenn Tonträger produziert werden. Dies wird mittlerweile versucht, dadurch zu umgehen, dass Plattenfirmen direkt vom Künstler das Urheberrecht erwerben. Wäre dem so, lägen ihre Interessen wohl anders, denn sie erhielten sich einen Teil der Einnahmen, die die GEMA für sich beansprucht.

In ihrer Streitsituaton, konkret: im Streit mit YouTube, schreitet die GEMA ein und lässt Videos aufgrund des Urheberrechts sperren – den Satz: „Leider ist dieses Video in Deutschland nicht verfügbar“ dürfte das Gros der YouTube-User kennen. Der seit Jahren geführte Streit zwischen dem Google-Unternehmen YouTube und der GEMA führte nicht nur schon vor Gericht, sondern rief auch einige Plattenbosse auf den Plan:

Universal Music und Sony Music kritisierten die GEMA scharf. Deutschland sei Europas wichtigster Markt und es sei unverständlich, dass hierzulande keine Einigung möglich wäre, so Frank Briegmann von Unviersal Music. Edgar Berger, Deutschland-Chef von Sony Music, unterstellt, dass Mitglieder des GEMA-Aufsichtsrats „noch nicht im digitalen Zeitalter angekommen“ seien. Einnahmen in Millionenhöhe gingen sowohl Künstlern als auch Musikkonzernen verloren.

Freie Musik: Newcomer-Wettbewerb

Sogenannte freie Musik ist eine Möglichkeit für Künstler, die GEMA zu umgehen; freie Musik orientiert sich an der General Public License (GNU). Bedingungen an diese freie Lizenz sind, dass der Künstler sein Werk unwiderruflich der Öffentlichkeit zur Verfügung stellt, dass er keinen Anspruch auf Vergütung erhebt und dass beide Punkte während der gesamten Schutzdauer Gültigkeit behalten.

Newcomer-Wettbewerbe, beispielsweise die Elixic-Newcomer-Challenge 2012, setzen voraus, dass die Teilnehmer keinen Verwertungsgesellschaften wie der GEMA angehören, denn das hätte Gebühren zur Folge, die für geschütztes Material abgeführt werden müssten. Heißt natürlich auch: Covern ist nicht gestattet, es müssen selbst komponierte Stücke sein – in welche Richtung diese gehen, bleibt dem Geschmack des Künstlers überlassen.

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